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Finanzieren im Alter

Die Hypothek nach der Pensionierung

Mit der Pensionierung ändert sich nicht die Immobilie, sondern das Einkommen. Genau daran rechnet die Bank Ihre Hypothek neu durch – und viele erfahren erst dann, dass die Tragbarkeit rechnerisch nicht mehr aufgeht, obwohl sie seit Jahren jede Rate bezahlt haben. Wer das früh weiss, hat mehrere Jahre Zeit zu handeln.

In Kürze

  • Die Bank rechnet nach der Pensionierung mit dem Renteneinkommen – meist AHV, Pensionskasse und Vermögensertrag – statt mit dem Lohn. Das sind oft 40 bis 60 Prozent weniger.
  • Gerechnet wird weiterhin mit einem kalkulatorischen Zins von rund 5 Prozent, 1 Prozent Unterhalt und der Regel, dass alles zusammen höchstens ein Drittel des Einkommens ausmachen darf.
  • Die 2. Hypothek – alles über zwei Dritteln des Belehnungswerts – muss bis zur Pensionierung zurückbezahlt sein.
  • Eine tragbare Hypothek wird nicht gekündigt, nur weil Sie 65 werden. Kritisch wird es bei der Verlängerung, wenn die Tragbarkeit dann nicht mehr reicht.
  • Handlungsspielraum besteht typischerweise fünf bis zehn Jahre vor der Pensionierung – danach werden die Optionen teurer.

Was ändert sich bei der Pensionierung wirklich?

Die Bank prüft die Tragbarkeit nicht einmalig beim Kauf, sondern bei jeder Verlängerung der Hypothek neu. Solange Sie erwerbstätig sind, ist der Lohn die Rechnungsgrundlage. Danach zählt, was regelmässig und dauerhaft fliesst: die AHV-Rente, die Rente aus der Pensionskasse und – je nach Bank – ein kalkulatorischer Ertrag auf dem verbleibenden Vermögen.

Wer sich das Pensionskassenguthaben als Kapital auszahlen lässt, hat anschliessend eine kleinere laufende Rente. Das verbessert die Vermögenssituation, verschlechtert aber genau die Kennzahl, auf die die Bank schaut. Beides gegeneinander zu rechnen, bevor der Entscheid fällt, ist einer der wirksamsten Hebel überhaupt.

Wie rechnet die Bank die Tragbarkeit?

Die Formel bleibt dieselbe wie beim Kauf, nur die Einkommensseite schrumpft. Addiert werden der kalkulatorische Zins von rund 5 Prozent auf die Hypothek, rund 1 Prozent des Immobilienwerts für Unterhalt und Nebenkosten, und eine allfällige Amortisation. Diese Summe darf höchstens etwa einen Drittel des Bruttoeinkommens ausmachen.

Der kalkulatorische Zins ist bewusst deutlich höher als der tatsächliche Hypothekarzins. Er ist ein Stresstest, kein Preis: Die Bank will wissen, ob Sie auch bei stark steigenden Zinsen noch zahlen könnten.

Was passiert mit der 2. Hypothek?

Die Hypothek wird gedanklich zweigeteilt. Die 1. Hypothek reicht bis zu zwei Dritteln des Belehnungswerts und muss nicht zurückbezahlt werden. Alles darüber ist die 2. Hypothek – und sie muss innert 15 Jahren, spätestens aber bis zur Pensionierung, amortisiert sein.

Das ist keine Formalie: Wer diese Amortisation vor sich herschiebt, steht mit 65 vor einer Rückzahlungspflicht und gleichzeitig vor einem tieferen Einkommen. Wer sie vorzieht, senkt die Belehnung und damit die Zinslast dauerhaft.

Was tun, wenn die Tragbarkeit nicht mehr reicht?

Es gibt mehr Wege als den Verkauf, und sie schliessen einander nicht aus. Belehnung senken durch eine Teilrückzahlung aus Vermögen oder Säule 3a. Kinder als Mitschuldner oder mit einem Darlehen einbinden. Ein Zimmer oder eine Einliegerwohnung vermieten, sofern die Bank den Mietertrag anrechnet. Die Immobilie verkaufen und ein Wohnrecht oder eine Nutzniessung im Grundbuch eintragen lassen. Oder den Wechsel in eine Mietwohnung planen, solange er freiwillig ist.

Entscheidend ist der Zeitpunkt. Fünf bis zehn Jahre vor der Pensionierung sind fast alle diese Wege offen und steuerlich gestaltbar. Nach der Pensionierung schrumpft die Auswahl, und der Druck steigt.

Wann lohnt sich das Gespräch mit der Bank?

Früher als die meisten denken. Sinnvoll ist eine Tragbarkeitsrechnung auf den Pensionierungszeitpunkt, sobald die Pensionierung in etwa zehn Jahren ansteht – am besten zusammen mit einer Vorsorgeanalyse, die auch den Entscheid Kapital gegen Rente durchrechnet.

Verlangen Sie dabei ausdrücklich eine Rechnung mit dem künftigen Renteneinkommen, nicht mit dem heutigen Lohn. Nur diese Zahl sagt Ihnen, ob Handlungsbedarf besteht.

Die drei Kostenblöcke der Tragbarkeitsrechnung
BlockAnsatz der BankWozu er dient
Kalkulatorischer Zinsrund 5 % der Hypothek pro JahrStresstest für stark steigende Zinsen
Unterhalt und Nebenkostenrund 1 % des Immobilienwerts pro JahrReparaturen, Erneuerung, Betriebskosten
Amortisation2. Hypothek bis zur PensionierungBelehnung zurück auf zwei Drittel
Grenzezusammen höchstens rund ein Drittel des EinkommensMassstab für die Tragbarkeit

Richtwerte. Die Ansätze unterscheiden sich je nach Bank; Einzelfälle werden individuell beurteilt.

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Häufige Fragen

Wird meine Hypothek bei der Pensionierung gekündigt?

Nicht automatisch. Eine laufende Festhypothek läuft bis zum vereinbarten Ende weiter, unabhängig von Ihrem Alter. Kritisch wird der Moment der Verlängerung: Dann prüft die Bank die Tragbarkeit neu, diesmal mit dem Renteneinkommen. Reicht sie nicht mehr, verlangt die Bank in der Regel eine Teilrückzahlung oder eine andere Lösung – eine fristlose Kündigung ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Mit welchem Einkommen rechnet die Bank nach der Pensionierung?

Mit dem, was regelmässig und dauerhaft fliesst: der AHV-Rente, der Rente aus der Pensionskasse und je nach Institut einem kalkulatorischen Ertrag auf dem freien Vermögen. Ein einmaliger Kapitalbezug zählt nicht als Einkommen, sondern erhöht das Vermögen – was die Tragbarkeitsrechnung meist verschlechtert statt verbessert.

Wie hoch darf die Hypothek nach der Pensionierung noch sein?

Als Richtwert höchstens zwei Drittel des Belehnungswerts, also die 1. Hypothek. Alles darüber muss bis zur Pensionierung amortisiert sein. Massgebend bleibt aber die Tragbarkeit: Auch eine Hypothek unter dieser Grenze kann zu hoch sein, wenn das Renteneinkommen die Drittelsregel nicht mehr erfüllt.

Soll ich das Pensionskassenguthaben als Kapital oder als Rente beziehen?

Für die Tragbarkeit ist die Rente meist günstiger, weil die Bank laufendes Einkommen sehen will. Für die Flexibilität und für eine Teilrückzahlung der Hypothek kann der Kapitalbezug besser sein. Der Entscheid hat zudem erhebliche Steuerfolgen und ist bei vielen Kassen an Anmeldefristen von bis zu drei Jahren gebunden. Rechnen Sie beide Varianten durch, bevor Sie sich festlegen.

Lohnt es sich, vor der Pensionierung freiwillig zu amortisieren?

Häufig ja, weil eine tiefere Belehnung die Tragbarkeitsrechnung direkt entlastet und die Zinskosten dauerhaft senkt. Dagegen spricht, dass Sie damit Liquidität binden und Schuldzinsen steuerlich abziehbar sind. Wägen Sie ab, wie viel freies Vermögen Sie nach der Rückzahlung noch als Reserve haben.

Kann ich mit 70 noch eine neue Hypothek aufnehmen?

Grundsätzlich ja. Ein Höchstalter ist gesetzlich nicht festgelegt, und Banken beurteilen den Einzelfall. Massgebend sind Tragbarkeit mit dem Renteneinkommen und Belehnungsgrad. In der Praxis sind die Anforderungen strenger und der Belehnungsspielraum kleiner als vor der Pensionierung.